Die aktuelle Fördersituation

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Jugendarbeit schafft Zukunft

Jugendverbände sind Räume, in denen sich junge Menschen frei entfalten, ihre Freizeit selbst gestalten und Spaß haben können. Sie sollen Verantwortung übernehmen und dürfen Fehler machen. Hier entwickeln Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene Kompetenzen für das ganze Leben und erfahren schon früh, was Demokratie bedeutet.

Die Arbeit in Jugendverbänden wird in hohem Maße durch ehrenamtliches Engagement der vielen tausend Jugendleiter-innen getragen. Durch vielfältige (Aus-)Bildungsmaßnahmen qualifizieren Jugendverbände die Jugendleiter-innen und fördern damit gleichzeitig deren individuellen Kompetenzerwerb. Doch damit die Arbeit der Jugendverbände eine Zukunft hat, braucht es auch finanzielle Ressourcen, mit denen solche Angebote finanziert werden und für alle bezahlbar bleiben. Denn Jugendarbeit muss allen jungen Menschen zugänglich sein — ganz gleich, wie ihr individueller finanzieller Hintergrund aussieht. Dies kann nur dann gelingen, wenn der Jugendarbeit ausreichende Mitteln zur Verfügung gestellt werden, um die hochwertige Bildungsarbeit weiter fortzusetzen und damit den gestiegenen Ansprüchen an junge Menschen und die Jugendarbeit gerecht zu werden. Eine auf Kontinuität und langfristigen Erfolg angelegte Jugendarbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch die finanziellen Möglichkeiten der folgenden Jahre planbar sind. Unzureichende Mittel dagegen erschweren Jugendarbeit massiv und können sie sogar verhindern.

Und wie sieht die aktuelle Finanzsituation in den Jugendverbänden in Niedersachsen aus? Ein paar Zahlen zeichnen hier ein deutliches Bild.

Innerhalb der vergangen 25 Jahre hat die Anzahl der Teilnahmetage an Bildungsveranstaltungen, also der gesamten durch das Land geförderten Angebote der Jugendverbände, um mehr als 50% zugenommen. Hauptgründe dafür sind zum einen die kürzere Verweildauer Ehrenamtlicher im Verband und die deutlich stärker projektbezogene und überörtliche Arbeitsweise in Jugendverbänden. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, mehr Jugendleiter-innen als noch zu Beginn der 1990er-Jahre für ihre Arbeit zu qualifizieren.

Im gleichen Zeitraum sind die sogenannten Bildungsmittel — die Mittel, mit denen genau solche Qualifizierungsmaßnahmen finanziert werden — lediglich um 27% gestiegen. Das bedeutet, dass heute weniger Mittel pro Tag und Teilnehmer-in zur Verfügung stehen, als noch vor 25 Jahren. Und dabei ist nicht berücksichtigt, dass Waren und Dienstleistungen heute deutlich teurer sind als  damals.

Berechnet man nun den realen Zuschuss, so zeigt sich, dass heute weniger als 9 Euro pro Tag und Teilnehmender bzw. Teilnehmendem zur Verfügung stehen (im Jahr 1992 waren es noch 11,20 Euro). Legt man die im Jahr 1992 ausgezahlte Summe zugrunde und berücksichtigt die gestiegenen Preise, ergibt sich — ohne eine reale Erhöhung des Zuschusses — ein notwendiger Zuschuss von 14,89 Euro. Das entspräche einer Erhöhung der Bildungsmittel für Jugendarbeit um insgesamt rund 2.700.000 Euro.

Wie die Jugendverbände des Landesjugendrings mit den bisherigen Realkürzungen der Zuschüsse umgegangen sind, zeigt eine interne Erhebung. Es wird an vielen kleinen Stellen kreativ gespart: Selbstversorgung kann günstiger sein als eine Versorgung durch die tagungshauseigene Küche; teilweise werden private Unterkünfte genutzt; externe Referent-inn-en für einen geschulten Blick von außen werden seltener eingeladen; zudem werden vermehrt Drittmittel eingeworben, was die Arbeitsbelastung zusätzlich erhöht. Bei nahezu allen Verbänden sind die Eigenanteile der Teilnehmenden teils deutlich gestiegen. Selbst Ehrenamtliche müssen heute häufiger als früher einen Unkostenbeitrag für Maßnahmen zahlen, die sie selbst teamen.